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Fotografieren mit einem Anamorphoten

🚀 Das Wichtigste in Kürze

Wer den echten Kino-Look mit den typischen Balken und Lens-Flares sucht, kommt an den Sirui-Objektiven nicht vorbei. Besonders die Carbon-Serie ist unschlagbar leicht. Perfekt für Filmer und Fotografen, die visuell aus der Masse herausstechen wollen – aber man muss den manuellen Fokus mögen.

Sehnsucht nach dem Panorama-Format

Sirui Saturn 35mm T2.9 1.6x an einer Sony A7 IV

Früher oder später stolpert man über Objektive, die erst mal gar nicht für Fotos gedacht sind. Bei mir war es diesmal ein anamorphes Objektiv, eigentlich ein Werkzeug aus der Filmwelt. Ich wollte wissen: Lässt sich dieser cineastische Look sinnvoll in die Fotografie übertragen?

Gelandet bin ich beim Sirui Saturn 35mm T2.9 1.6x, das ich gebraucht auf Kleinanzeigen gefunden habe.

Mein Plan war simpel: Ich wollte ein gestrecktes Panorama erzeugen, das optisch an das legendäre Hasselblad XPan-Format (24×65) erinnert – ohne dafür ein Vermögen auszugeben. Und um es vorwegzunehmen: Ja, es funktioniert erstaunlich gut an der Sony A7 IV.

Warum eigentlich Sirui? (Und was bedeutet 1.6x?)

Anamorphoten waren früher riesige, schwere Glasklötze. Das Sirui Saturn aus der Carbon-Serie ist das genaue Gegenteil.

Als ich es ausgepackt habe, war ich überrascht: Der vordere Teil besteht aus Carbonfaser, was das Objektiv extrem leicht macht. Für mich als jemanden, der sein Equipment oft stundenlang im Rucksack schleppt, ist das ein entscheidender Faktor. Es wirkt an der Kamera nicht frontlastig und passt perfekt zum kompakten Body der Sony.

Landschaftsaufnahme anamorphes Objektiv verzerrt

Der technische Kniff: Normale Objektive sind sphärisch – sie bilden das Bild 1:1 ab. Das Sirui ist anamorphotisch mit einem Faktor von 1.6x. Das bedeutet vereinfacht: Es „quetscht“ 1,6-mal mehr Bildinformation in die Breite auf den Sensor.

Das Bild, das du im Sucher siehst, wirkt also gestaucht. Erst wenn man es am Computer wieder „auseinanderzieht“ (de-squeezed), entfaltet sich das volle Panorama-Format. Man bekommt also einen deutlich weiteren Bildwinkel, behält aber die Tiefenschärfe eines 35mm Objektivs.

Landschaftsaufnahme anamorphes Objektiv entzerrt

Fotografieren ohne Netz und doppelten Boden

Der manuelle Fokus

Zugegeben: Im ersten Moment zuckt der Finger ins Leere, wo sonst der Autofokus-Button sitzt. Das Sirui ist rein manuell. Aber an der Sony A7 IV ist das heute kein Blindflug mehr, sondern macht sogar richtig Spaß.

Mein Workflow ist simpel:

  1. Focus Peaking: Die farbigen Kanten im Sucher zeigen mir grob, wo die Schärfe liegt.
  2. Display-Lupe: Für Porträts oder statische Motive zoome ich kurz rein, um den Fokus präzise auf das Auge zu legen.

Das Schöne daran ist die Entschleunigung. Du knipst nicht wild drauflos, sondern arbeitest bewusster.

Und bei schnellen Schnappschüssen? Da bin ich ehrlich: Manchmal sitzt der Fokus nicht zu 100 %. Aber genau das macht oft den Charme dieser Bilder aus. Ein leicht unscharfer Moment mit diesem cineastischen Look wirkt oft emotionaler als ein technisch perfektes, aber steriles Bild. Es ist „organischer“.

Der Aha-Moment: Die Entwicklung am Computer

Wenn du die Bilder von der SD-Karte ziehst, sieht erst mal alles komisch aus. Die Welt ist zusammengestaucht, Menschen haben lange Gesichter – alles wirkt eng. Das liegt daran, dass der Sensor das 1,6-fach breitere Bild in sein normales 3:2 Format gezwängt hat.

Doch dann kommt der Moment, der süchtig macht: Das „Entzerren“ (De-Squeeze).

Ich erledige das in Photoshop, weil es dort am schnellsten und saubersten geht. Hier ist mein kurzer Workflow:

  1. Bild öffnen: Das „gequetschte“ Bild in Photoshop laden.
  2. Bildgröße anpassen: Geh im Menü auf Bild > Bildgröße.
  3. Kette lösen: Wichtig! Entferne das Kettensymbol (Proportionen beibehalten), damit du Breite und Höhe getrennt steuern kannst.
  4. Einheit ändern: Stell die Maßeinheit auf „Prozent“.
  5. Breite strecken: Gib bei der Breite 160% ein (die Höhe bleibt bei 100%).
  6. Bestätigen: Klick auf OK.

Zack. Plötzlich entfaltet sich das Bild. Aus dem engen Standard-Format wird ein weites Panorama. Was mich dabei immer wieder fasziniert, ist nicht nur die Breite, sondern wie sich der Charakter des Bildes verändert:

  • Das Hintergrund-Bokeh (die Unschärfe) wird oval gezogen – ein typischer Kino-Effekt.
  • Lichtquellen bekommen diese feinen, horizontalen Flares (beim Sirui Saturn oft schön bläulich, je nach Licht).

Das Ergebnis erinnert extrem an das legendäre XPan-Format. Du erzählst Geschichten plötzlich nicht mehr hochkant oder quadratisch, sondern in der Breite – ideal für Landschaften oder Porträts, die „Luft zum Atmen“ brauchen.

Fazit: Analoges Flair mit digitaler Sicherheit

Zusammenfassend kann ich sagen: Das Sirui Saturn 35mm ist für mich weit mehr als nur ein technisches Gimmick für Filmer. Es ist eine echte Bereicherung für meine Fotografie.

In einer Zeit, in der Kameras immer perfekter, schärfer und „klinischer“ werden, bringt dieses Objektiv genau das zurück, was oft fehlt: Charakter. Die Flares, das ovale Bokeh und das breite Panorama-Format wirken wie aus einer analogen Ära – organisch und nicht so perfekt berechnet.

Der riesige Vorteil gegenüber einer echten Analog-Kamera (wie der Hasselblad XPan) ist aber die Sicherheit: Dank der modernen Technik meiner Sony sehe ich das Ergebnis sofort. Ich habe den analogen Look, aber die digitale Kontrolle.

Wer bereit ist, sich auf den manuellen Fokus und den kleinen Zwischenschritt in Photoshop einzulassen, wird mit Bildern belohnt, die sich wohltuend vom Standard-Einheitsbrei im 3:2-Format abheben.

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