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Fotografieren mit einem Anamorphoten

Mein Workflow mit dem Sirui Saturn 35mm T2.9 1.6x

Sirui Saturn35mm T2.9 1.6x an Sony A7 IV

Früher oder später stolpert man über Objektive die erst mal gar nicht für Fotos gedacht sind. Bei mir war es diesmal ein anamorphes Objektiv, eigentlich ein Werkzeug aus der Filmwelt. Ich wollte wissen, ob sich der Look auch sinnvoll in die Fotografie übertragen lässt. Gelandet bin ich beim Sirui Saturn 35mm T2.9 1.6x, das ich gebraucht auf Kleinanzeigen gefunden habe.

Der Plan: ein gestrecktes Panorama, das optisch an das legendäre Hasselblad XPan-Format (24×65) erinnert. Und ja, es funktioniert erstaunlich gut.

Ursprung der Anamorphoten

Ein kurzer Abstecher in die Geschichte hilft den Reiz besser zu verstehen.
Anamorphe Objektive wurden ursprünglich entwickelt, um breite Kinobilder auf normalen 35mm-Film zu bekommen.

Der Trick: Das Objektiv quetscht das Motiv optisch horizontal zusammen. Beim Abspielen wird das Bild wieder entzerrt und so entsteht das typische Breitbild-Kinoformat, ohne dass man mehr Filmfläche braucht.

Landschaftsaufnahme anamorphes Objektiv verzerrt

Genau dieses Prinzip nutze ich heute beim Fotografieren: Ich nehme ein horizontales „gestauchtes“ Bild auf und entzerrte es später am Rechner.

Das Ergebnis ist ein Panorama, das nicht nach Crop aussieht, sondern nach echtem anamorphem Look.

Landschaftsaufnahme anamorphes Objektiv entzerrt

Vorbereitung & Setup der Kamera

Kameraeinstellungen

  • RAW fotografieren, damit die Entzerrung später verlustärmer bleibt
  • Manueller Fokus, die meisten anamorphen Objektive sind  ohnehin manuell, also Peaking oder Lupenfunktion nutzen.
  • Histogramm checken, da horizontale Flares gerne Highlights fressen.

Objektiv & Montage

  • Das Sirui 35mm 1.6x projiziert ein Full-Frame-kompatibles, gestauchtes Bild – auf meiner A7 IV nutzt also die gesamte Sensorfläche.
  • Achte darauf, dass das Objektiv exakt ausgerichtet ist. Rotation führt sonst zu schiefen Linien nach der Entzerrung.

Fotografieren mit anamorpher Optik

Komposition denken wie später entzerrt

Während du auf dem Display ein „normales“ 35-mm-Bild siehst, musst du im Kopf die spätere 1.6-fache Streckung mitdenken. Dein finaler Blickwinkel entspricht ungefähr 22 mm horizontal, also schon richtig weit.

Tipp: Bildkanten nicht zu knapp komponieren, da die Entzerrung oben/unten leicht beschneidet.

Typische anamorphe Effekte nutzen

  • Horizontale Lens Flares entstehen besonders bei Gegenlicht oder punktförmigen Lichtquellen. Leicht in den Winkel gehen → mehr Flare.
  • Ovales Bokeh: Je näher du am Motiv bist, desto sichtbarer werden die vertikal gestreckten Unschärfescheiben.
  • Breite Linienführung: Architektur, lange Straßen oder Küstenlinien gewinnen extrem durch das Panoramaformat.

Stativ oder freihand?

  • Für exakte Linien und Architektur lohnt ein Stativ.
  • Freihand geht natürlich auch, nur darauf achten, möglichst gerade zu halten, schräge Horizonte sehen nach dem Entzerren schlimmer aus.

Entzerren in Photoshop (die einfache 160%-Methode)

RAW öffnen

Öffne das Bild wie gewohnt über Camera Raw. Korrekturen wie Weißabgleich oder Belichtung kannst du ruhig vorher setzen.

Bildbreite um 160% erhöhen

  1. In Photoshop Bild → Bildgröße öffnen.)
  2. Häkchen bei „Proportionen behalten“ deaktivieren.
  3. Nur die Breite auf 160% setzen.
  4. Interpolation: „Automatisch“ ist völlig okay, gerade bei hochwertigen RAWs.

Damit machst du nichts anderes als die 1.6-fache Squeeze-Faktor-Rückentwicklung. Dein Foto entspricht danach dem natürlichen Bildwinkel des anamorphischen 35ers und landet im Panorama-Bereich, der dem XPan-Look sehr nahekommt.

Zuschnitt auf XPan-ähnliches Seitenverhältnis

Das klassische XPan-Seitenverhältnis ist 24×65 ≈ 1:2.7.
Nach der Entzerrung kannst du mit dem Freistellungswerkzeug auf 2.7:1 zuschneiden, falls du ganz präzise sein willst.

Typische Fehler & wie du sie vermeidest

  • Schiefer Horizont → wirkt nach Entzerrung schlimmer. Kamera möglichst gerade halten.
  • Zu viel Gegenlicht → Flares können Motive überlagern. Leicht den Winkel ändern.
  • Fokus knapp gesetzt → Anamorphoten sind bei Offenblende unversöhnlich. Lieber etwas abblenden.
  • Zu eng komponiert → Anamorphes Dehnen führt dazu, dass Randbereiche wichtiger werden. Etwas Platz lassen.

Fazit

Mit einem anamorphischen Objektiv zu fotografieren, fühlt sich ein bisschen an wie eine Mischung aus Kino und Fotografie in einem einzigen Werkzeug. Die A7 IV und das Sirui 35mm 1.6x sind dafür ein starkes Duo: sauberer Look, breite Perspektive, charaktervolle Flares. Mit der einfachen 160%-Entzerrung in Photoshop kommst du schnell und zuverlässig zu einem Format, das sehr nah an den ikonischen XPan-Look herankommt.

Wenn du Lust bekommen hast, mit einem anamorphischen Look zu spielen, dann schnapp dir das Sirui 35mm 1.6x und probiere es selbst an deiner Kamera aus. Es macht gerade beim Fotografieren mehr Spaß, als es auf dem Datenblatt vermuten lässt und du bekommst einen Look, den man mit normalen Objektiven so nicht hinbekommt.

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